Gruß aus Kreta, ein Ort, wo ich mich mit der schönen Natur und dem Wellenrauschen sehr wohl fühle. Es gibt so viel zu entdecken, seien es die Pflanzen, die Steine, die Berge, der Himmel, auch der Sternenhimmel, oder das wechselhafte Wetter. Auf heftige Stürme folgt Sonnenschein, Regenbögen, schneebedeckte Berge in der Ferne, Wolken und streifenfreier blauer Himmel, türkisfarbenes Wasser oder auch weiße Schaumkronen im aufgewühlten Meer. Die Menschen hier wünschen sich mehr Regen, der Schnee in den Bergen ist zudem der Wasser-Speicher für den Sommer. Ich habe bisher zwei Ausflüge gemacht und bin begeistert, wie abwechslungsreich die Insel ist. Es gibt auch einige Orte mit nicht so schönen Gewächshäusern, doch meist nur an der Küste. Es geht steil hoch in die Berge und dort kann der Blick so richtig ausruhen. Ich mag die Steinhäuser oder auch die älteren Häuser in den Bergen, sie sich so schön in die Landschaft einpassen.
Diesmal bin ich hier nicht, um am Löwenzahnbuch weiterzuschreiben, das wird gerade gedruckt und ist dann Mitte März fertig. Bevor ich mich dann wieder dem Löwenzahn widme, will ich schon mal erspüren, was sich als nächstes ergibt. Der Johannisbrotbaum ist hier sehr präsent und ich bin diesem Baum irgendwie verbunden. Seine Früchte, die Schoten waren früher sehr begehrt. Ich habe das erste mal in Spanien vor vielen Jahren Kekse mit Carob, dem Pulver aus den Schoten, gegessen. Der Geschmack war für mich so neu und lecker, dass ich immer wieder mal danach Ausschau gehalten habe. Als ich in Argentinien war, habe ich den Baum dort auch entdeckt, er wurde vor einigen Hundert Jahren dort angepflanzt und seitdem genutzt. Zumal er auch aus ökologischen Gründen gerade in trockenen Gebieten sehr wertvoll ist. Einen Ausflug werde ich auf jeden Fall zu einem Karob-Produkte-Hersteller noch machen. Den gibt es hier auf der Insel.
Dann gibt es gerade sehr viele Ringelblumen, sie wachsen hier kleiner, dafür sind sie sehr verbreitet und wild wachsend. Da ich wieder allerhand Insektenstiche zu Beginn bekommen habe und meine Haut zum heilen gut Hilfe brauchen kann, zerdrücke ich die Blüten und gebe es auf die Stiche, das hilft bei den juckenden Entzündungen ziemlich gut. Ansonsten werden noch die letzen Oliven geerntet, das Olivenöl ist einfach so lecker hier. Meerzwiebeln, Affodill, Thymian, Mastix, Majoran, Anemonen, eine Alraune habe ich entdeckt, eine blühende Aloe, Kaktusfeige (die Früchte habe ich auch probiert, sind gar nicht schlecht), zwei Brennnesselarten, Löwenzahn bisher nur im Garten meiner Gastgeberin als Gemüsepflanze, Wacholder, Vogelmiere, Meersenf ... langweilig wird es nie, wenn man sich für Pflanzen interessiert. Außerdem habe ich heute eine riesige, tote Meeresschildkröte am Strand gesehen. Ich hoffe, sie ist an Altersschwäche gestorben und beim Sturm angeschwemmt worden. Im Sommer wurden die Gelege markiert, damit die immer seltener werdenden Schildkröten in Ruhe gelassen werden.
Ein ganz trauriges Kapitel sind die Mahnmale, die es hier in vielen Dörfern gibt. Im 2. Weltkrieg wurden grausame Massaker an der griechischen Bevölkerung und besonders auf Kreta von der deutschen Wehrmacht verübt, als Racheakt, weil sich die kretischen Partisanen ziemlich gut verteidigt hatten. Die kretischen Menschen haben in den letzten Jahrhunderten viel über sich ergehen lassen müssen.
Die schönen kulturellen Schätze aus der minoischen Kultur kann man bewundern, da will ich noch weitere Orte besuchen. All das prägt das jetzige Leben und ich möchte die Gegend und die Menschen dort tiefer kennenlernen, die Sprache, das Denken, die Weltsicht. Jede Kultur hat seine Besonderheit, seine Stärken von denen man lernen kann. Mir kommt das Leben hier pragmatischer, unkomplizierter und echter vor.
Ich mag den Winter hier, obwohl es so ohne Heizung und an manchen Tagen mit starkem Wind, Regen und Temperaturen unter 10 Grad auch draußen kurz mal ungemütlich sein kann. Es lohnt aber nicht oder ist auch zu teuer, Heizungen zu bauen. Es ist eher üblich, sich warm einzupacken und auch im Haus den Mantel dann einfach nicht auszuziehen. Die Menschen hier mögen es zumindest, nach den langen, heißen und trockenen Sommern.
Ich habe es in meiner kleinen Ferienwohnung sowieso gut. Zur Begrüßung stand schon ein Chorta, eine Speise mit Kräutern, insbesondere Löwenzahn, bereit. Jedes Wochenende bekomme ich leckeres traditionelles Essen und viele frische Früchte und Gemüse aus dem Garten und die vielen Katzen hier bewirken, dass man sich nie alleine fühlt, man aber auch ständig auf der Hut sein muss, dass sie sich nicht in die Küche schleichen.
Und was mach ich so die ganze Zeit? Ich könnte stundenlang in den Bergen oder am Strand sitzen und dabei Kordeln aus Brennnessel drehen. Nach dem Gürtel habe ich jetzt ein ganz feines Netz in einer Schlingtechnik angefangen. Meine halbe Zeit hier ist rum, ich lass mich treiben und führen, spüre meine Intuition deutlich, jeden Tag erlebe ich etwas Besonderes, sehe etwas Neues, lerne neue Menschen kennen. Ich stehe neugierig auf, was der Tag bringen wird, überlege, was ich mir wünsche, was ich will und was ich dafür tun könnte. Ich fühle mich sehr lebendig!































































