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Von alten Steinen und Bäumen auf Kreta

kMeine letzten Tage auf Kreta sind wechselhaft im Wetter und genauso wundervoll und abwechslungsreich ist alles, was ich hier erlebe. Außer Meer, Himmel und Berge sind die Steine und Bäume besonders spannend. Die alten Ruinen, Ausgrabungsstätten und die Dörfer in den Bergen.

 

Die Ausgrabungsstätte bei Myrtos, auf einem kleinen Berg direkt am Meer, ist nicht einfach zu erreichen, einen Pfad hinauf habe ich nicht gefunden. Vielleicht gut so, so kommen kaum Leute dort hin, ein besonderer Kraftort der nicht durch unachtsame Leute zerstört werden sollte. Farbige glatte Steine wurden offenbar ganz bewusst verlegt, auch die kristallinen Steinblöcke wurden in Mustern gesetzt. Präsise gehauene Steinblöcke und naturbelassene Formen sind kombiniert. Dann eine kunsthandwerklich gefertigte Säule liegt herum, auch Scherben findet man noch. Barfuß auf diesen Steinen zu stehen, wo schon vor tausenden von Jahren Menschen gelebt haben, ist ein bewegendes Gefühl. Ein Pflanzenkundler aus einem Dorf in der Nähe erzählte mir, man müsse die Pflanzen anfassen, für einen Informationsaustausch, bei Steinen ist es denke ich, genauso.

 

Friedhöfe besuche ich in anderen Ländern auch gerne, jede Kultur zeigt sich dort auf besondere Weise. Zwei Hunde bellten mich dort sehr vehement an. Da erinnerte ich mich an einen Tipp vom Sommer hier. Ich solle mit den Tieren reden. So sagte ich den beiden freundlich, dass ich hier nur schaue, dass sie nicht bellen brauchen und sprach auf sie ein und wirklich, sie hörten auf.

 

Bei Ausflügen mit Ingrid, die schon lange zeitweise immer wieder in Griechenland und auf Kreta lebt, habe ich weitere besondere Orte kennengelernt. Ano Vinnos, ein größeres Bergdorf, mit einer über Tausend Jahre alten Platane. Wenn Sie innen hohl werden, beginnt eine neue Lebenszeit für diese Bäume, sagte sie mir. Die Bäume werden hier sehr verehrt. Es gibt auf Kreta auch einen Olivenbaum, der auf 3000 bis 5000 Jahre geschätzt wird. In Ano Viannos habe ich auch endlich den Löwenzahn wildwachsend gefunden. Auf einer Treppe. Die Gedächtnisstätte der Massaker im zweiten Weltkrieg an der griechischen Bevölkerung, lag in dichtem Nebel. Das hat es besonders eindrücklich gemacht. Wer für seine Freiheit stirbt, wird als Held verehrt, die Menschen sprechen hier nie von Opfern, es sind verstorbene Helden.

 

Bei einem weiterem Ausflug sind wir zunächst nach Skafidia und dann Kato Simi gefahren. Skafidia ist ein weitgehend verlassenes Dorf mit Steinruinen. Ein Haus sieht schön belebt aus und ist auf kretisch-kreative Art renoviert. Eine alte Ölpresse gibt es im größtem Haus dort, der kleine Schuh in diesem Raum wirkte da irgendwie merkwürdig. Auch das Bügelbrett in der vermutlich von Reisenden zwischenzeitlich genutzten Ruine, zwischen alter Kleidung und Müll, wirkte auf mich auch wie eine Kunstinstallation. 

 

Bei Kato Simi liegt die Ausgrabungsstätte Aphrodite, ein großes Gelände wo die Grundmauern der Gebäude freigelegt wurden. Hier hat uns besonders die hohle Platane beeindruckt, eine kleine Ikone war darin, Steine in kleine Löcher gelegt. In dieser Baumhöhle zu stehen ist ein besonderes Gefühl. Der Ort Ano Simi in der Nähe ist auch menschenleer. Hier gab es besonders viele schöne kreative Steinbauten. Häuser als Kunstwerke. Die alte Kirche ist umgeben von uralten Zypressen, einem alten Eukalyptusbaum und wieder eine alte Platane. Uralte Feigenbäume, knorrige Pinien und Fichten, von Bergziegen angeknabberte niedrige Kermeseichen, die auch sehr groß werden können, machen die Berglandschaft dort besonders urig. Jetzt gab es sogar einen plätschernden Bach und leuchtend grünes Moos dort. In Kato Simi kann man richtig gut in der Taverne essen, auch Quellwasser am Brunnen kann man sich dort holen. Der Rückweg im Dunkeln durch die Serpentinenstraßen, Schlaglöcher und Steine auf dem Weg fordern absolute Konzentration. Mit der Zeit, geht das immer besser, auch hier ist das kretische Motto "Siga, siga" also Ruhe bewahren und langsam machen, angebracht.

 

In Tertsa und Umgebung, wo ich wohne, habe ich auch ein paar Lieblingsbäume. Eine alte Kiefer auf einem Berg mit lauter glitzernden Steinen. Nun habe ich noch einen freistehenden großen Johannisbrotbaum entdeckt. Auch in der Nähe von Ruinen oben in den Bergen. Ein weiterer Baum, der mich beeindruckt dort ist die Tamariske, er wächst direkt am Meer. Der salzhaltige Boden macht ihnen nichts aus, sie können über die Blätter Salz ausscheiden. Die Blätter fühlen sich oft nass an.

 

Die beiden kleinen Hunde sind mir auf dem Weg den Berg hoch begegnet, aneinander gekuschelt lagen sie da als ich kam. Der eine sprang auf und bellte mich an, damit ich Angst bekomme, der andere machte sich lieber davon. Hunde und Katzen laufen hier frei herum, klar, das Leben ist hier gefährlicher, aber auch freier. "Eleftheria" das Wort für Freiheit ist hier als Straßenname, Vorname, in der Musik und auch sonst häufig zu sehen und zu hören.